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Michael Morawski

Institut für Geographiedidaktik

AdresseGebäude 216a, Raum 113, Gronewaldstrasse 2, 50931 Köln
Telefon0221-470-4629
E-mailm.morawski(at)uni-koeln.de

Projekttitel:

Von und mit Sprache lernen - Identifikation und Entwicklung von Förderstrategien für den sprachsensiblen und inklusiven Geographieunterricht durch Analyse des bilingualen Geographieunterrichts

BetreuerInnen: Prof. Dr. Alexandra Budke und Prof. Dr. Kerstin Ziemen

 

Projektbeschreibung:

Die erhöhte sprachliche Heterogenität (nicht nur) in deutschen Geographiestunden beeinflusst und verändert das Unterrichten und die Lehramtsausbildung. Es ist eine Veränderung hin zum sprachbewussten Unterrichten in Geographie, ein Fachunterricht, der hauptsächlich monolingual in der Zielsprache Deutsch stattfindet. In diesem Kontext bedeutet Sprachbewusstsein eine stärkere Fokussierung auf die sprachlichen Anforderungen im Geographieunterricht und auf Möglichkeiten, Schüler*innen dabei zu unterstützen, diese durchzuführen.

In dem Forschungsprojekt wird sich der Frage genähert, inwiefern die Sprachwahrnehmung und die Strategien zur sprachlichen Förderung von Lehrkräften und in Schulbüchern im bilingualen Sachfachunterricht Geographie dabei helfen können, sprachbewussten Geographieunterricht zu entwickeln. Die Hypothese ist, dass bilingual unterrichtende Lehrkräfte, aufgrund ihrer Erfahrungen im simultanen Unterricht von Sprache und Inhalt, detaillierteres geographisches Sprachbewusstsein entwickeln als es Lehrkräfte im monolingualen Unterricht tun. Zur Strukturierung der Untersuchung wurde ein theoretisches Modell zu den Anforderungen von Sprache im Geographieunterricht entworfen. Die empirische Arbeit fußt in der methodischen Triangulation und setzt sich aus 16 bisher durchgeführten halbstrukturierten Experteninterviews bilingual unterrichtender Geographielehrkräfte, einer quantitativen sowie qualitativen Schulbuchanalyse aktuell in Deutschland erschienener bilingualer Geographielehrwerke und einer geplanten quasi-experimentellen Studie im Klassenkontext einer neunten Gymnasialklasse zusammen. Diese Studie misst die Effekte eines sprachbewussten peer-review Verfahrens zur Förderung produktiver Schreibkompetenzen im Bereich kartenbasierter Argumentation zum Thema „Grenzen in Europa“. Dieses Verfahren soll im Rahmen eines breiten Inklusionsbegriffs als sprachliches Förderinstrument für die inklusive Planung und Umsetzung des Fachunterrichts Geographie verstanden werden. Das Verfahren lässt sich u.a. als binnendifferenzierendes und kompetenzorientiertes Werkzeug verstehen, um Impulse für die von Reich (2014) dargelegten Bereiche einer inklusiven Unterrichtsplanung im Gesamtmodell zu setzen, wie etwa die Weiterentwicklung von Feedbackkultur und Beratung, Werkstätten für individuelle Interessen und Neigungen sowie Lernlandschaften zur Individualisierung des Lernens nach Eigenheiten und Niveaustufen.

Die Ergebnisse der Interviews zeigen, dass die bilingualen Lehrkräfte und Schulbücher vielversprechende Strategien und überraschende Ansätze bspw. und u.a. im Bereich der Material- und Aufgabenstrukturierung, der Sprachmediation und des kooperativen Sprachfeedbacks verwenden. Diese Analyse der Schulbücher zeigt ferner, dass umfangreichere und innovativere Sprachfördermaßnahmen implementiert sind als in monolingualen Büchern, jedoch auch hier bezogen auf den Referenzrahmen eines modernen und kompetenzorientierten Geographieunterrichts Optimierungsbedarf festzustellen ist. Die auf Basis dieser Erkenntnisse ausgewählte Strategie der peer-review Methode, als ein Beispiel der facettenreichen Sprachförderung im bilingualen Geographieunterricht, wird in dem Projekt für den inklusiven und sprachbewussten Geographieunterricht spezifiziert. Durch die quasi-experimentelle Studie werden anhand von zwei zeitlich versetzten Post Tests, videografierter und transkribierter Unterrichtsstunden und einer qualitativen Inhaltsanalyse der Schülderdokumente die Effektivität des Verfahrens evaluiert und im Zuge der Wirksamkeit für Schülergruppen weiterentwickelt.